Wenn „Normal“ nur eine Fassade ist.
Ich sitze hier, ein Mann Mitte 40, und stelle fest: Mein Leben passt in keine der Schablonen, die uns als „gelungen” oder „Normal“ verkauft werden. Ich bin geschieden. Meine zwei Kinder pendeln zwischen zwei Haushalten. Und bald heirate ich zum zweiten Mal. Manchmal fühlt sich das an wie ein Balanceakt auf einem Seil, das zu dünn gespannt ist. Aber vielleicht ist genau das das Leben – und nicht die polierte Version davon, die wir alle voreinander aufrechterhalten und erwarten.
Wenn ich durch mein Handy scrolle, sehe ich eine Welt, die mit meinem Leben wenig zu tun hat. Perfekt ausgeleuchtete Wohnzimmer, Paare, die sich scheinbar nie streiten, Menschen, die ihre „Work-Life-Balance” mühelos meistern. Und ich? Ich bin manchmal schon froh, wenn die Socken halbwegs passend sortiert sind.
Dabei habe ich das Gefühl: Unser Bild von „Normal” passt nicht mehr.
Wir haben uns an eine Norm gewöhnt, die so glattgebügelt ist, dass sie eigentlich unrealistischer nicht sein kann. Wir zeigen immer nur Siege und Erfolge, aber verstecken die Stolpersteine. Dabei sind es doch oft gerade die holprigen Wege, die uns ausmachen, oder?
Ich will hier niemanden belehren. Ich will einfach versuchen zu verstehen.
Ich starte diesen Blog auch nicht, weil ich viele Antworten habe. Ich habe sie nämlich nicht. Ich weiß nicht, wie man die „perfekte” Patchwork-Familie führt. Und ich weiß auch nicht, warum wir uns alle so unter Druck setzen lassen.
Ich möchte hier keine Ratgeber-Listen schreiben („10 Tipps für eine glückliche Ehe” – davon gibt es genug) oder gar verkaufen. Ich möchte lieber weg von vorgefertigten Meinungen und hin zu echten Geschichten, meinen Geschichten, euren Geschichten. Zu den Momenten, die nicht Instagram-tauglich sind, aber dafür echt.
Vielleicht ist dieser Blog auch mein ganz persönlicher Versuch, einen Fuß aus dem Hamsterrad zu setzen. Wir rennen oft so sehr den Erwartungen anderer hinterher, dass wir vergessen, nach links und rechts zu schauen. Ich möchte hier meinen eigenen Horizont erweitern – und herausfinden, was passiert, wenn man aufhört zu funktionieren und anfängt, Fragen zu stellen.
Fragen wie zum Beispiel: Warum schämen wir uns für das Scheitern, wenn es doch oft der ehrlichste Teil unserer Entwicklung ist? Wie fühlt sich „Glück” eigentlich an, wenn es nicht für ein Foto inszeniert wurde? Können wir wieder lernen, uns gegenseitig zuzuhören – ohne sofort eine Lösung parat haben zu müssen?
Ein Ort für die Risse in der Fassade
„Normal ist kaputt” soll ein Gegenstück sein. Ein Ort für die Momente, in denen wir uns eingestehen dürfen: Ich weiß es gerade auch nicht. Und das ist okay.
Ich bleibe hier erst einmal anonym. Nicht, weil ich mich verstecke, sondern weil ich möchte, dass die Fragen und Geschichten im Vordergrund stehen, nicht mein Gesicht. Ich bin einfach einer von vielen, der versucht, in diesem lauten, perfekten Internet ein bisschen echte Stille und Wahrheit zu finden.
Vielleicht geht es dir ja ähnlich. Vielleicht fühlst du dich auch manchmal wie ein Fremdkörper in einer Welt voller Hochglanz-Profile.
Falls ja: Lass uns gemeinsam hinschauen. Was ist für dich eigentlich noch „normal”?
Das war mein erster kleiner Blick in meine Gedankenwelt. Wenn du wissen willst, wer hinter dem Blog steckt und warum ich glaube, dass es wichtig ist, wieder über „Normal“ zu reden, dann schaue einfach hier vorbei.
