Alle 14 Tage Freitags
Es ist wieder Freitag. Einer von den Freitagen. Alle zwei Wochen gibt es diesen einen Tag, auf den ich mich besonders freue – das Kinderwochenende steht an.
Schon morgens beim Kaffee male ich mir aus, wie es werden könnte. Vielleicht gehen wir wandern? Oder ins Kino? Ich könnte mit meiner Tochter diesen Kuchen backen, den sie neulich erwähnt hat oder Waffeln. Und mein Sohn wollte doch was für Mathe lernen – da könnte ich mich daneben setzen, gemeinsam durchgehen, vielleicht verstehe ich’s ja sogar selbst noch. Eine schöne Vorstellung. Fast ein bisschen wie aus einem dieser perfekten Familien-Blogs.
Die Realität sieht dann so aus:
Ich arbeite bis 17 Uhr. Hetze danach noch schnell zum Supermarkt, weil der Kühlschrank komplett leer ist. Stehe im Stau. Komme genervt nach Hause. Und bin ehrlich gesagt erst mal nur froh, wenn ich fünf Minuten Ruhe hätte. Die kriege ich natürlich nicht.
Meine Tochter kommt direkt vom Verein zurück, mein Sohn ist noch Zeitungen austragen. Also: erst mit ihr essen, später nochmal mit ihm. Die Tochter schaut dann irgendeinen Disney-Film, den ich schon dreimal gesehen habe. Mein Sohn verschwindet in seinem Zimmer und hängt irgendwo in der digitalen Welt ab. Wenn meine Tochter endlich im Bett ist, dusche ich, lege mich auf die Couch, schaue endlich TV, nein, ich schlafe ein.
Wow. Was für ein romantischer Freitagabend.
Samstag geht’s ähnlich weiter, nur etwas abgeschwächter. Wecker klingelt um 7:30 Uhr. Ich bin aber sowieso schon seit 6 Uhr wach. Frühstück vorbereiten, Kinder wecken, gemeinsam essen. Dann bringe ich beide zum Sport, fahre in der Zwischenzeit nochmal einkaufen, weil ich gestern natürlich die Hälfte vergessen habe, und hole sie wieder ab.
12 Uhr: Mittagessen. Wir besprechen den Nachmittag.
Mein Sohn ist verabredet. Angeblich gehen sie Fahrrad fahren. In Wahrheit fährt er heimlich in die nächstgrößere Stadt, um die zu erkunden. Ist mir egal, soll er, immerhin ist er ehrlich und erzählt es mir, im Nachhinein. Meine Tochter geht auf den Spielplatz mit einer Freundin.
Und dann bin ich alleine.
Wirklich alleine.
Und weißt du was? Ich freue mich. Darf man das? Ich tu’s einfach trotzdem. Ich gehe mit dem Hund spazieren. Oder ich mache was im Garten. Einfach nur sein. Keine Fragen beantworten, niemanden irgendwohin fahren, nicht funktionieren müssen.
Der Nachmittag ganz nach meinem Geschmack.
Abends treffen wir uns wieder. Natürlich zum Essen. Wir besprechen, welchen Film wir schauen – etwas Lustiges, wir lachen alle gerne. Und wir schauen ihn dann tatsächlich auch gemeinsam. Das ist schön. Richtig schön.
Irgendwann nach dem Film geht meine Tochter ins Bett. Mein Sohn verschwindet wieder in seinem Zimmer und schaut sich irgendwelche Influencer-Reportagen an von Leuten, die – wie sollte es anders sein – das perfekte Leben führen.
Sonntag startet entspannter. Ich fühle, dass ich zur Ruhe gekommen bin. Genieße mein Frühstück. Alleine. Die beiden Faulenzer schlafen noch und kommen erst gegen 10 Uhr raus. Mein innerer Wecker lässt mich nicht länger als 7:30 Uhr schlafen – und das ist schon spät für mich.
Trotzdem sitzen wir später gemeinsam am Tisch. Sprechen. Planen den Tag. Vielleicht ein bisschen lernen. Mittagessen. Wenn ich Glück habe, macht meine Tochter mit mir eine Fahrradtour. Mein Sohn trifft sich wieder mit seinen Kumpels.
Und dann ist es schon 17 Uhr.
Ich bringe die Kinder zurück zu ihrer Mama. Mein Sohn fährt manchmal schon alleine, weil er sowieso unterwegs ist und dann mit der Bahn nachkommt. Bei der Mama kurzer Smalltalk – ob Termine anstehen mit den Kids, ob was Wichtiges war. Dann zurück ins Auto.
Ich wechsle mein Leben wieder. Fahre zu meiner Verlobten.
Und während ich fahre, frage ich mich: Wo geht die Zeit eigentlich hin am Wochenende? War ich genug für die Kids da? Ich glaube, ich bin ein schlechter Vater. Zu wenig präsent. Zu wenig… da.
Oder ist das einfach so? Der Lauf der Dinge im Patchwork?
Ich fühle mich ständig im Wettkampf gegen die Zeit. Gegen das Älterwerden. Gegen das Erwachsenwerden der Kinder. Ständig dieses Gefühl: Ich verpasse etwas. Irgendwas Wichtiges. Vielleicht gerade jetzt. Ich weiß es nicht.
Wie geht’s euch damit? Kennt ihr dieses Gefühl – dass die Zeit mit den Kindern durch die Finger rinnt, egal wie sehr man sie festhalten will?

Ganz toll was du hier schreibst.
Man fühlt sich abgeholt und man kann das alles sehr gut nachvollziehen 🍀
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Herzlichen Dank für dein Feedback, das freut mich sehr.