Nachts um drei.
Da ist sie wieder, meine nächtliche Routine. Nachts um 3 Uhr. Sie kommt eine um die andere Nacht.
Im Grunde bin ich ein großer Fan von Routinen. Sie erleichtern das Leben ungemein. Man kann so vieles abwickeln, ohne nachdenken zu müssen.
Aber es gibt Routinen, wie eben diese um 3 Uhr nachts, auf die man bewusst verzichten könnte.
Was passiert um diese Uhrzeit? Nein, der frühe Vogel spielt in dem Fall keine Rolle. Denn um diese Zeit schlafen selbst Würmer.
Ich bin wach.
Schaue auf die Uhr. Bin schon fast genervt, wenn es halb vier ist. Oder halb drei.
Paradoxerweise ist mir selbst diese Routine über die Jahre ans Herz gewachsen. Auch wenn ich weiß, dass es die denkbar schlechteste ist, die ich habe.
Das Muster
Es passiert im Grunde jede Nacht.
Auch wenn ich mit guten Vorsätzen ins Bett gehe. Meine Verlobte meinte, ich solle mir mantra-mäßig einreden, dass ich heute schlafen werde wie ein Baby.
Aber leider haben diese Sprüche keine Manifestierung hervorgerufen. Eher eine Steigerung meiner inneren Unruhe.
Es gab Zeiten, da hatte ich überhaupt keine Lust, schlafen zu gehen. Denn allein schon der Gedanke, wieder um 3 Uhr wach zu sein, hat mich so nach unten gezogen, dass ich Schlaf mit etwas Schlechtem verbunden habe.
Obwohl ich weiß, dass gerade für Longevity Schlaf eine unverzichtbare Säule ist.
Die Ironie
Ich weiß durch viel Lesen – diverser Ratgeber, Studien und Tests – dass ein gesunder Schlaf für mein Wohlbefinden absolut unerlässlich ist.
8 Stunden sollte ich schlafen, empfehlen sie mir. Um ausgewogen und erholt in den Tag zu starten.
Für mich sind es Erfolge, wenn ich über 5 Stunden zusammenhängenden Schlaf bekomme.
Die Ironie ist nicht zu übersehen: Ich weiß, wie wichtig Schlaf ist. Ich lese darüber. Ich kenne die Studien. Ich verstehe die Zusammenhänge.
Und trotzdem? Trotzdem bin ich jede Nacht um 3 Uhr wach.
Die Gedanken
Wenn ich um 3 Uhr aufwache, beginnt das Karussell.
Nicht sofort. Erst versuche ich, wieder einzuschlafen. Drehe mich um. Schließe die Augen. Atme ruhig.
Funktioniert manchmal. Oft aber nicht.
Dann kommen sie. Die Gedanken.
Was steht morgen auf der Arbeit an? Habe ich die E-Mail beantwortet? Was, wenn das Projekt schiefgeht?
Die Kinder. Bin ich genug da? Sehen meine eigenen Kinder mich zu wenig? Vernachlässige ich sie?
Gesundheit. Warum schlafe ich nicht? Ist das normal? Sollte ich zum Arzt? Bin ich krank?
Zukunft. Wie lange noch bis zur Rente? Schaffe ich das überhaupt? Was, wenn ich mit 60 ausgebrannt bin?
Die Gedanken kommen ungefragt. Ich kann sie nicht abstellen.
Ich versuche, an etwas anderes zu denken. Atme tief ein und aus.
Nichts hilft.
Der Kopf dreht weiter. Getreu dem Motto Albert Einsteins:
„Gedanken wiegen nichts, aber unter ihrer Last kannst du zusammenbrechen.”
Die Versuche
Ich habe viel probiert.
Früher ins Bett gehen. Bringt nichts. Bin trotzdem um 3 Uhr wach.
Habe mir mein Handy ab 21 Uhr auf ein Mindestmaß reduziert. Nur Telefon geht noch, alles andere wird gesperrt.
Meditation. Habe ich versucht.
Yoga. Versucht. Buch gekauft. „Yoga für Anfänger.”
Tee. Hilft nicht. Fördert nur den Toilettengang.
Podcasts zum Einschlafen. Macht keinen Sinn. Je nach Thema treibt es den Puls in die Höhe.
Schlaf-Tracking. Macht alles nur schlimmer. Weil ich sehe, wie schlecht ich schlafe.
Das Einzige, was für mich wirklich etwas hilft: Magnesium. Nicht viel. Aber ein bisschen. Magnesium ist nun mein erstes konstantes Supplement.
Mehr probiere ich nicht aus. Die Liste der gescheiterten Versuche ist schon lang genug.
Die Konsequenzen
4:25 Uhr. Der Wecker klingelt.
In der Regel bin ich vor dem Wecker wach. Habe vielleicht 4 bis 5 Stunden geschlafen. Wenn überhaupt.
Aufstehen ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Aber komischerweise funktioniert das wie ein Automatismus.
Der Kaffee dient als Booster.
Den Tag bringe ich immer ganz gut rum. Wenngleich ich weiß, dass ich abends oft genervt bin.
Innerlich total müde. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Kann das gut überspielen.
Und abends? Abends bin ich dann endlich müde. Schlafe auf der Couch ein.
Endlich, denke ich.
Gehe ins Bett. Schlafe ein.
Und dann: 3 Uhr nachts. Wieder wach.
Der Teufelskreis.
Die Frustration
Alle anderen scheinen zu schlafen.
Meine Verlobte? Schläft wie ein Stein. Ich könnte neidisch sein. Bin ich wahrscheinlich auch.
Die Instagram-Gurus? Posten ihre perfekten Schlaf-Routinen. Eisbad um 6 Uhr. Meditation. 8 Stunden Tiefschlaf.
Und ich? Ich liege um 3 Uhr wach. Lese manchmal Artikel über Schlaf. Um 3 Uhr nachts. Die Ironie.
Jeder hat einen Rat:
„Versuch’s mal mit Meditation.” – Hab ich.
„Geh früher ins Bett.” – Mache ich.
„Trink weniger Kaffee.” – Ich trinke nur einen.
„Mach mehr Sport.” – Mache ich auch.
Danke. Hab ich alles probiert.
Die Frage
Warum schlafe ich nicht?
Ist es Stress? Wahrscheinlich.
Ist es das Alter? Vielleicht.
Ist es die Patchwork-Situation? Könnte sein.
Ist es der Job? Auch möglich.
Ist es einfach nur Pech? Keine Ahnung.
Das Problem mit Routinen und Gewohnheiten ist: Sie zu ändern ist eine Mammutaufgabe.
Bei dieser speziellen „Nicht-Schlaf-Routine” kommt noch mehr dazu. Wahrscheinlich gedanklicher Ballast jeglicher Art. Kinder. Zukunft. Arbeit. Was auch immer.
Mir ist bewusst, dass ich so kein Paradebeispiel für Longevity bin.
Was ich aber weiß: Ich muss mich damit auseinandersetzen. Dinge ändern.
Aber wie?
Die Akzeptanz
Vielleicht gibt es keine Lösung.
Vielleicht ist das jetzt einfach so.
Vielleicht muss ich damit leben.
3 Uhr nachts ist jetzt meine Zeit. Die Zeit der großen Gedanken. Die Zeit der Stille. Die Zeit, in der ich allein bin.
Nicht freiwillig. Aber es ist, wie es ist.
Ich kann es nicht ändern. Ich habe alles probiert. Aber ich gebe nicht auf.
Vielleicht ist das okay. Vielleicht muss ich das akzeptieren.
Das Trotzdem
Morgen kommt der Wecker.
Morgen kommt der Kaffee.
Morgen kommt der Tag.
Und ich? Ich mache weiter.
Müde, aber da. Nicht optimal, aber funktionierend.
Longevity? Vielleicht später. Jetzt erstmal funktionieren.
Mit ein paar Stunden Schlaf. Mit Kaffee. Mit dem Wissen, dass heute Nacht wieder 3 Uhr kommt.
Aber ich mache weiter.
Was bleibt mir auch übrig?
Geht es euch auch so? Wacht ihr nachts auf? Und wenn ja: Was geht euch dann durch den Kopf? Habt ihr eine Lösung gefunden? Oder habt ihr euch arrangiert?
Und wenn ihr durchschlaft: Wie zum Teufel macht ihr das?
PS: Eine Übersicht aller Artikel findest du in meinem Magazin.
