Keine Zeit für langes Leben.
Wer kennt es nicht, den Hype um langes Leben. Oder, in der modernen Sprache: Longevity.
Longevity – was ist das genau?
Ich würde es so bezeichnen, ohne dabei jetzt medizinische oder andere Fakten hinzuzufügen: Longevity bedeutet ganz einfach, ein langes und gesundes Leben zu haben, basierend auf den drei Säulen, Bewegung, Schlaf und Ernährung. Natürlich nicht einfach so. Man muss dafür sehr viel tun. Und Zeit investieren.
Also: Du investierst Zeit, um Zeit zu bekommen.
Ist das richtig? Theoretisch?
Longevity ist kein Modebegriff, der auf Instagram erfunden wurde. Die Lehren daraus stammen – glaubt man unterschiedlichen Quellen – vom antiken Arzt Galen, der vor knapp 2000 Jahren lebte und sich schon damals mit gesundem Älterwerden beschäftigte.
Wie gesagt, das ist meine Recherche. Solltest du andere Quellen haben, kannst du diese auch sehr gerne glauben. Soweit ganz kurz und einach zu den Fakten.
Im Folgenden möchte ich das an einem ausgewählten und auch nicht zu tiefgreifenden Beispiel beleuchten, die Morgenroutine. Denn das Thema Longevity interessiert mich tatsächlich sehr, hierüber werde ich noch öfter eingehen. Wer interessiert sich nicht fürs Älterwerden?
Der perfekte Einstieg in den Tag
Morgens klingelt der Wecker. Du wachst auf. Bleibst noch ganz entspannt und super erholt im Bett liegen – nach mindestens acht Stunden tiefem, festem Schlaf in deinem perfekt gestylten Schlafzimmer im übergroßen Boxspringbett.
Nach einer Weile stehst du auf. Zuerst gehst du in die Küche und trinkst ein großes Glas Wasser. Der sogenannte Hydrationsbooster. Um dem Flüssigkeitsverlust der Nacht entgegenzuwirken und die verloren gegangenen Reserven aufzufüllen.
Im Anschluss machst du dir eine ultragesunde Bowl. Oder Oats. Was auch immer. Mit übergesunden Samen und Früchten. Vielleicht noch ein paar Goji-Beeren. Chia. Leinsamen. Mandelmilch.
Du bist danach bereits bei 150 Prozent angekommen und startest nach deiner Morgenroutine perfekt in den Tag.
So sieht es aus. Jedenfalls auf Instagram. Perfekt eben.
Die harte Realität
Tatsächlich wache ich oft morgens gegen 4:25 Uhr auf.
Ja, da klingelt mein Wecker.
Manchmal schaffe ich es und schlafe zu der Zeit noch. Oft bin ich aber schon wach. Grübelnd. Und warte auf den erhofften Weckerschlag, um endlich aufstehen zu dürfen.
Erholt? Oftmals Fehlanzeige.
Hydrationsbooster? Daran denke ich gar nicht. Und schon gar nicht an eine Bowl.
Das Programm lautet: Ins Bad. Fertig machen. Ab ins Büro.
Dort angekommen: Ein Kaffee. Eine Fertig-Tüten-Porridge mit viel zu viel Zucker. Zeitung lesen. Dann startet die Arbeit.
Das alles wird in etwas mehr als einer Stunde abgespult. Tag ein, Tag aus.
Und jetzt?
Bleiben wir nur beim Thema Morgenroutine. Denn die hat ja bestimmt in irgendeiner Art und Weise jeder morgens.
Ich gehe davon aus, dass mir jeder zustimmt: Meine Routine ist denkbar schlecht. Lichtjahre von Longevity entfernt.
Ja, das denke ich tatsächlich auch. Da muss ich euch recht geben.
Wenn ich dann später wieder Instagram durchscrolle, wird mir auch klar gemacht, dass ich im Grunde alles falsch mache morgens.
Auch das weiß ich.
Zu wenig Schlaf. Zu viel Zucker. Zu wenig Wasser. Zu viel Stress. Zu wenig Zeit.
Die Liste ist lang.
Der Druck
Und dann sind da noch die anderen Dinge, die ich eigentlich tun sollte.
Sport. Mindestens 30 Minuten am Tag. Am besten morgens, vor der Arbeit. Oder abends. Oder mittags in der Pause.
Meditation. 10 Minuten täglich. Für die innere Ruhe.
Supplements. Vitamin D. Omega-3. Magnesium. Und noch 17 andere Pillen, die ich angeblich brauche.
Kalte Duschen. Für die Durchblutung.
Journaling. Um meine Gedanken zu sortieren.
Bildschirmzeit reduzieren. Vor allem abends.
Früher ins Bett gehen. Mindestens acht Stunden schlafen.
Und das alles neben: Arbeit. Kinder. Patchwork. Haushalt. Beziehung. Hund. Leben.
Wann soll ich das alles machen?
Die Frage
Für wen ist das überhaupt machbar?
Wer hat die Zeit für diese perfekten Morgenroutinen? Für die Eisbäder? Für die grünen Smoothies mit 17 Zutaten?
Ich sehe mir diese Instagram-Profile an. Diese Menschen, die um 5 Uhr aufstehen. Die meditieren. Die Sport machen. Die perfekt in den Tag starten.
Und ich frage mich: Was machen die beruflich? Haben die keine Kinder? Keine Verpflichtungen? Keinen Chef, der um 7 Uhr eine Besprechung ansetzt?
Oder lügen sie einfach?
Die Erkenntnis
Tatsächlich aber versuche ich immer wieder, in kleinen Schritten meinen Rhythmus und die Gewohnheiten anzupassen. Hin zur Longevity. Oder zumindest in die Richtung.
Die Uhrzeiten kann ich nicht ändern. 4:25 Uhr bleibt 4:25 Uhr. Aber die peripheren Gewohnheiten darum herum – da kann ich ansetzen.
Den Kaffee trinke ich mittlerweile ohne Zucker. Das war ein harter Kampf, aber ich habe es geschafft.
Die Porridge ersetzt meinen geliebten Marmorkuchen. Oder das Nutella-Brötchen. Nicht jeden Tag. Aber öfter.
Ich versuche, abends etwas früher ins Bett zu gehen. Um doch noch die ein oder andere Runde Schlaf zu bekommen. Mit dem Wissen, dass ich nachts trotzdem wach bin. Aber hierzu schreibe ich einen extra Artikel. Denn das ist ein sehr großes Thema: Schlafen.
Und manchmal – manchmal – nehme ich die Treppe statt den Aufzug.
Nicht immer. Aber manchmal.
Wer braucht das?
Das bedeutet: Jeder kann etwas für sich tun. Auch wenn es nur kleine Schritte sind.
Denn am wichtigsten ist immer das Tun.
Nicht die perfekte Routine. Nicht die acht Stunden Schlaf. Nicht die grüne Bowl mit Goji-Beeren.
Sondern das Tun. Die kleinen Schritte. Die Veränderungen, die man tatsächlich durchhält.
Vielleicht ist das die wahre Longevity: Nicht die perfekte Morgenroutine haben. Sondern eine, die man tatsächlich leben kann.
Die Ironie
Die Ironie ist: Ich stresse mich darüber, wie ich länger leben kann.
Ich lese Artikel über Longevity. Ich scrolle durch Instagram. Ich vergleiche mich mit Menschen, die um 5 Uhr aufstehen und Eisbäder nehmen.
Und am Ende bin ich erschöpft. Vom Vergleichen. Vom Nicht-genug-Sein.
Vielleicht wäre weniger Stress schon der erste Schritt zu einem längeren Leben.
Vielleicht ist die beste Longevity-Routine: Sich nicht zu Tode stressen, weil man nicht perfekt ist.
Wo ich heute stehe
Ich werde wahrscheinlich nie um 5 Uhr oder später aufstehen.
Ich werde nie Eisbäder nehmen.
Ich werde nie eine perfekte Bowl mit 17 Superfoods frühstücken.
Aber ich trinke meinen Kaffee ohne Zucker. Ich esse öfter Porridge statt Marmorkuchen. Ich nehme die Treppe.
Und weißt du was? Das ist okay.
Das muss reichen für die Morgenroutine.
Denn ich habe keine Zeit für ein perfektes langes Leben.
Aber ich habe Zeit für kleine Momente der Selbstachtung.
Und vielleicht ist das genug.
Wie geht’s euch damit? Habt ihr eure Morgenroutine schon dem Longevity-Check unterzogen? Oder habt ihr auch das Gefühl: Keine Zeit für perfekte Routinen? Und wenn ja – was macht ihr trotzdem?
PS: Wenn du wissen willst, wer hinter dem Blog steckt und warum ich glaube, dass es wichtig ist, wieder über „Normal“ zu reden, dann schaue einfach hier vorbei.
